Tierpfleger auf Zeit

Routinemäßig schwenkt Bettina Kleins Blick über die Anlage der Torgauer Arche. Als sie ins Eselgehege schaut, stutzt sie. „Die Zwei lassen sich von Dir striegeln!?“, fragt die Geschäftsführerin der LAGA GmbH. Der Angesprochene ist Kilian Ritz – er ist der jüngste Tierpfleger im LAGA-Tiergehege.



Ende Juni absolviert der Torgauer hier für zwei Wochen sein Schülerpraktikum – das erste überhaupt in der Arche. „Die Arbeit macht sehr viel Spaß“, sagt er. Es sei ein großartiges Gefühl, für die Tiere etwas Gutes zu tun. Ebenso beobachte der Dreizehnjährige gerne, wie die Tiere reagieren und sich verhalten. Sein Dienst in der Arche umfasst von Montag bis Freitag täglich vier Stunden. In dieser Zeit mistet er zum Beispiel die Ställe aus und bereitet das Tierfutter vor. „Da ist Gemüse für die Kaninchen zu schneiden und sind die Futterbälle für die Esel füllen“, verdeutlicht der Sechstklässler der Montessori-Schule.

Seine Lieblingstiere? „Ganz klar die Esel“, antwortet Kilian Ritz. Mit denen unternehme er die meisten Sachen. Dazu gehören auch an der Leine geführte Spaziergänge im Gehege. „So gewöhnen sie sich ans Geschirr für spätere Rundgänge auf dem LAGA-Gelände“, sagt der Schüler. Mittlerweile hat er sich mit den beiden Grautieren regelrecht angefreundet. Demzufolge lassen sich die beiden auch bereitwillig von Kilian striegeln.

Ursprünglich war die Arche für ihn nur zweite Wahl. „Eigentlich wollte ich was im Theaterbereich machen“, sagt Kilian Ritz. In Sachen Berufswunsch hätte das besser gepasst – er will Schauspieler werden. Dementsprechend sei für ihn die freitägliche Probe der schuleigenen Theater-AG das Beste an einer Schulwoche. „Es schließt diese sehr schön ab“, ordnet der Dreizehnjährige ein.

Doch die Theater-Angebote in der Gegend seien rar und die Plätze in Leipzig zu Beginn des Jahres alle schon vergeben gewesen, macht dessen Vater Philipp Ritz klar. So habe er als Alternative die LAGA vorgeschlagen. „Ich wollte meinem Sohn diese als Event nahebringen“, erläutert Philipp Ritz. Daraufhin nahm der Mitarbeiter der Caritas Kontakt zu Bettina Klein auf. „Die LAGA-Geschäftsführerin brachte direkt die Arche ins Spiel“, erinnert er sich. Bei einem persönlichen Treffen seien dann die Details besprochen und ein Praktikums-Vertrag ausgehandelt worden.

Schlussendlich ist sich Philipp Ritz sicher: „Das ist genau das Richtige für Kilian.“ Dieser genießt offensichtlich seine Zeit bei den Tieren. „Falls es mit der Schauspielerei nichts wird, dann werde ich eben Tierpfleger“, sinniert Kilian und verteilt Streicheleinheiten an die Ziegen und Schafe der Torgauer Arche.

Ebenso zieht Bettina Klein ein positives Fazit zu Kilians Zeit in der Arche. „Unsere Erwartungen hinsichtlich eines Schülerpraktikanten sind mehr als erfüllt worden“, freut sich die Geschäftsführerin. Da dieser erste Versuch so erfolgreich gewesen sei, werde man auch zukünftig Plätze für solche Praktika in der Torgauer Arche anbieten. „Auch über die LAGA hinaus“, betont Bettina Klein.